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What the Food?!

27.2.2019

Wir beantworten euch häufige Fragen zur Kampagne "What The Food".

Warum konzentriert sich die VIER PFOTEN Kampagne ausgerechnet auf die Mensen bzw. die Studierenden? Wäre eine Kampagne für die gesamte Bevölkerung nicht eigentlich zielführender, da das Thema doch alle Konsumenten von tierischen Produkten betrifft?

VIER PFOTEN möchte mit dieser Kampagne ganz bewusst die Studenten mobilisieren, weil wir beim Thema Ernährungsangebot an den Universitäten und Fachhochschulen einerseits die Notwendigkeit zur Verbesserung sehen: Schließlich werden auf Österreichs Mensen in den Hochschulen  täglich Tausende Speisen serviert. Unsere Umfrage bei den Hochschulen hat ergeben, dass in vielen Fällen in den Mensen die Herkunft der tierischen Produkte nicht gekennzeichnet ist und hochwertige pflanzliche Gerichte oftmals zu kurz im Speiseangebot kommen. Andererseits sehen wir auch ein großes Potenzial: Studenten sind überdurchschnittlich gebildet, engagiert und an zeitgenössischen Themen interessiert. Wir sind überzeugt, gemeinsam mit ihnen auch beim Thema Tierschutz viel hin zum Positiven verändern zu können. Diese Kampagne soll eine erste Basis für weitere, breitenwirksamere Aktivitäten sein.

Haben die Universitäten selbst überhaupt einen Einfluss auf die Beschaffungspolitik der Mensen? Sind sie wirklich das richtige Ziel?

VIER PFOTEN sieht Hochschulen in der Pflicht: Schließlich sind sie verantwortlich dafür, was ihren Studierenden serviert wird, weil sie die Aufträge zur Verpflegung vergeben. Daher sollten sie sich – und in weiterer Folge in Abstimmung mit den Verpflegungseinrichtungen -auch dafür einsetzen, dass an ihren Standorten weniger Fleisch und tierische Produkte aus besserer Haltung angeboten werden.

Die VIER PFOTEN Forderungen würden sich wahrscheinlich auf den Preis der Speisen auswirken, d.h. sie verteuern. Für Studierende ist der Preis jedoch oft der ausschlaggebende Grund, die Mensa zu besuchen. Welche Lösungsansätze hat die „What The Food“ Kampagne dazu?

Beispiele aus der Praxis zeigen, dass sogar ein Umstieg auf 100 % Fleisch in Bioqualität bei Beibehaltung des Preises für den Endverbraucher möglich ist. Hier kann viel über die Portionsgrößen von tierischen Produkten getan werden. So kann z.B. mehr Beilage und ein etwas kleineres Schnitzel serviert werden. Auch Eintöpfe oder die Asiatische Küche lassen eine Reduktion des Fleischanteils zu, ohne dass die Qualität des Produktes sinkt oder Studierende Hunger leiden müssen.  
 
Wir laden die Studierenden ein, sich öfters für das vegetarische oder vegane Angebot an den Mensen zu entscheiden. Das ist ein ganz wesentlicher Bestandteil unserer Kampagne. Die Nachfrage bestimmt schließlich auch das Angebot. Da fleischlose Speisen im Allgemeinen günstiger sind, wirkt sich das natürlich auch günstig aufs Geldbörsel aus.  Wir haben für die Studierenden übrigens auch ein sehr praktisches Rezeptbüchlein mit tierfreundlichen und sehr schmackhaften Alternativen produziert, die gleichzeitig sehr preisgünstig sind. Außerdem wollen wir schon auch generell das Bewusstsein dafür schärfen, dass tierische Lebensmittel ihren Preis haben müssen. Billiges Fleisch, billige Milch und billige Eier gehen immer zu Lasten der Tiere – und schaden uns im Übrigen längerfristig allen. Denn die konventionelle Tierhaltung ist bekanntlich äußerst umweltschädlich.

Die österreichischen Mensen sind nicht die Hauptverantwortlichen für mangelndes Tierwohl und mangelnde Transparenz bei der Kennzeichnung. Geht VIER PFOTEN hier auch weiter?

Selbstverständlich. Die Forderung nach mehr Transparenz von tierischen Produkten, was Herkunft und Haltung betrifft, wird von uns regelmäßig an die Vertreter von Politik und Handel gerichtet – und mittlerweile auch von der österreichischen Landwirtschaft geteilt.  

Dass Kennzeichnung nicht unwichtig ist, zeigt auch das aktuelle österreichische Regierungsprogramm, das eine Kennzeichnung nach dem französischen Modell in der Gemeinschafsverpflegung vorsieht.  Wir denken, dass auch Studierende das Recht haben, mehr über die Herkunft, aber auch Haltung von Tieren zu erfahren, deren Fleisch, Milch oder Eier am Mensateller landen.  

Studenten, Unis und die Mensabetreiber können und sollen auch mehr Tierwohl und Transparenz fordern: Nur so erkennt die Politik an, dass der Bedarf gegeben und es Zeit zum Handeln ist.

Gibt es ausreichend Angebot an Produkten am Markt, die VIER PFOTEN-Anforderungen entsprechen, um die Nachfrage der Mensen in Österreich theoretisch zu decken?

Derzeit können vermutlich nicht 100 % unserer Anforderungen vom Markt abgedeckt werden. Schrittweise Verbesserungen sind aber sehr wohl möglich. Zudem ist es hoch an der Zeit, dass öffentliche Beschaffer ein starkes Signal an den Markt senden, welche Tierhaltung in Zukunft gewünscht ist. Gerade über langfristig gültige Ausschreibungen und die Möglichkeit, die Vergabe über Lose (also Teilmengen) zu gestalten, können Beschaffer die Industrie nachhaltig bewegen und eine Veränderung in der Tierhaltung, wie wir sie heute kennen, erwirken.  
 
Von Seiten der Politik erwarten wir zudem starke Anreize, in bessere Tierhaltesysteme zu investieren. Viel Potenzial bietet dazu zum Beispiel die neue Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union, bei der die Länderverantwortung wesentlich gestärkt werden wird. Hier könnte der Staat tierfreundliche Systeme verstärkt subventionieren und den Landwirten beim Umstieg auf bessere Systeme unter die Arme greifen. 

Warum spricht die Kampagne das Thema Fisch nicht an?

Ganz einfach: Weil die Arbeit von VIER PFOTEN generell Fische und Meeressäuger nicht umfasst. Dieses Thema überlassen wir gerne Organisationen mit spezieller Expertise. Der Fokus von VIER PFOTEN liegt auf Nutztieren, Wildtieren in Gefangenschaft und Heimtieren – entweder auf vier Pfoten oder mit Schnäbeln…

Was bedeutet eigentlich „pflanzliche Alternativen“?

Mit pflanzlichen Alternativen sind vegane Gerichte gemeint. Das sind Gerichte, die keinerlei tierische Produkte (Fleisch, Milch und Eier) beinhalten.